Der “Grand Canal Projekt” Vorschlag
Eine große Gefahr für Koreas Wattgebiete und Wasservögel
Stage One of the Grand Canal Project:
Han and Nakdong Rivers.
Map originally created and © of the Korean NGOs Alliance.
Birds Korea ist eine Organisation, die sich auf die Erhaltung von Vögeln und deren natürlichen Lebensräumen in Korea und Ökogebieten im gelben Meer spezialisiert.
In der Vergangenheit haben wir unsere sehr ernsten Bedenken bezüglich des geplanten “Grand Canal” Projekts in Korea schon in den Medien, bei verschiedenen anderen Organisationen und auf unserer Website Ausdruck verliehen.
Wir, und viele andere, glauben, dass dieses Projekt große schädliche Auswirkungen auf die nationale und regionale Biodiversität haben wird.
Wenn das Projekt wie vorgeschlagen umgesetzt wird, werden die vier größten Flusssysteme Südkoreas (Yeongsan, Geum, Nakdong und Han) zu einem System zusammengefasst, dass auch nördliche mit südlichen Flusssystemen verbindet.
Was in einem Architektenbüro einfach gezeichnet werden kann, erfordert in der Realität ein Ausbaggern, Vertiefen und Erweitern von ungefähr 2000 km seichtem Flussgebiet (zzgl. evtl. 1000 km in Nordkorea).
Diese seichten Flussgebiete werden zur Zeit von einer großen Vielfalt von Vögeln besiedelt, wie beispielsweise brütende Ussuriregenpfeifer Charadrius placidus und Mandarinenten Aix galericulata, nistende und global gefährdete Mönchskraniche Grus monacha auf ihrem Überflug in den Süden, sowie große Zahlen von überwinternden Wasservögeln, wie dem gefährdeten Schuppensäger Mergus squamatus.
Wir glauben, dass eine Verringerung der Wassertiefe auf 6 Meter, wie zur Zeit geplant, besonders im dürreanfälligen Korea tiefgreifende Veränderungen in der Hydrologie der Flusssyteme hervorrufen wird. Besonders die Überreste der Frischwasserfeuchtbiotope wären hiervon betroffen, darunter Koreas berühmtes Ramsar Schutzgebiet “Upo Wetland”.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass das Grand Canal System auch die Verstärkung und den Neubau von Dämmen entlang der gesamten Ausweitung erfordern würde. Die Gesamtlänge von 3100 km würde demnach mindestens 6200km neukreierte Flussufer und Straßen erfordern, was einen weiteren Verlust von besidelbaren Feuchtgebieten bedeuten würde.
Es ist ebenso wahrscheinlich, dass das Projekt eine deutliche Steigerung des Lärmpegels und der Luftverschmutzung verursachen wird, da der Fluss nun vermehrt für den Waren- und Menschentransport genutz werden soll.
Des weiteren werden drei international wichtige Flussmündungen vom “Grand Canal” beeinflusst werden, wie es von den Ramsar Kriterien festgelegt wurde:
- Die Han- Imjin Mündung: dort residieren bis zu 1500 Schwanengänse Anser cyhnoides und große Zahlen von Weißnackenkranichen Grus vipio
- Die Geum Mündung: dort residieren große Zahlen von Wasservögeln, und an Mündungen die Fluss aufwärts gehen, ungefähr 90 % der gefärdeten Gluckente Anas formosa
- Die Nakdong Mündung in Busan: diese schon stark beeinträchtigte Gegend wird unter anderem von der gefärdeten Reliktmöwe Larus relictus und Koreas größter Population von Singschwänen Cygnus cygnus besiedelt
Einer der Kanäle soll sogar durch das Saemangeum Gebiet führen, wodurch dort jeglicher Versuch Schäden an der Natur zu verhindern unmöglich gemacht wird.
Ungefähr acht bis zehn der von BirdLife International gelisteten wichtigen Vogelgebiete werden maßgeblich von dem Projekt beeinflusst, wo es doch landesweit nur 40 solcher Gebiete gibt.
Es ist ungewöhnlich, dass eine so hoch entwickelte Nation wie Korea überhaupt über den Negativeinfluss, den eine solches Projekt verursacht, diskutiert. Noch dazu wird skeptischen Stimmen das Sytem als umweltfreundlich verkauft, da ja rund um den Damm Fahrradwege und Parks entstehen sollen.
Dennoch gibt es hier in Korea diverse Naturschutzgesetzte, die eigentlich eine Vielzahl der durch das Projekt gefährdeten Arten schützen, da diese als National Natural Monument gelten. Als Nation sind wir ebenso Mitglied in der Biodiversitäts Konvetion (Convention on Biological Diversity), wie in der Ramsar Feuchtgebiete Konvention (Ramsar Wise Use of Wetlands Convention) und werden Gastgeber der alle drei Jahre stattfindenden Ramsar Konvention in Changwon im October 09 sein.
Kann man die Kanalisierung unserer landesgrößten Flüsse “wise use” nennen?
Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen weitere wichtige Informationen und Meinungen zu den erwartenden Einflüssen auf die Vogelwelt, die durch dieses enorme Projekt entstehen, zur Verfügung stellen. Aber ersteinmal würden wir gerne unsere Mitglieder von Übersee und Englisch- sprachigen Besucher über die folgenden zwei Petitionen informieren:
- Die “Petition for Adherence to National Conservation Laws and Guidance Provided by the Ramsar Convention” verlangt nach einer umfassenderen Studie zu den zu erwartenden Folgen auf die Biodiversität und Feuchtgebiete durch das “Grand Canal” Projekt auf:
http://www.birdskorea.org/Habitats/4-Rivers/BK-HA-Grand-Canal-Petition.shtml
Die Unterschriften werden mit KFEM (Korean Federation of Evironmental Movements) zusammengelegt und an die Regierung weitergeleitet, zusammen mit einem formalen Brief von “Birds Korea” (wir versuchen auch andere Organisationen dazu zu bewegen) vor Ende März.
- Die Petition “To Help Stop Great Korea Canal Project” verlangt die sofortige Einstellung des Projekts, das durch KFEM organisiert und von “Friends of the Earth International” unterstützt wird.
http://www.foei.org/en/get-involved/take-action/great-korea-canal-project/
Für weitere Fragen zu den KFEM oder FoEI Petitionen wenden Sie sich bitte direkt an: Herrn Ma Yong- Un, ma@kfem.or.kr
Viele herzlichen Dank,
Birds Korea, 18 März 2008.
Referenzen
BirdLife International (2004). Important Birds Areas in Asia: key sites for conservation. Cambridge, Uk: BirdLife International (BirdLife Conservation Series No. 13).